Schloss Schwarzburg

Über Schloss Schwarzburg:

Barockschloss mit bewegter Geschichte
Schloss Schwarzburg ist ein Wahrzeichen fast tausendjähriger Landesgeschichte Thüringens. Auf einem hohen Bergsporn über dem reizvollen Tal der Schwarza gelegen ist es von ausgedehnten Wäldern umgeben eine beeindruckende Dominante inmitten der alten Kulturlandschaft des Thüringer Waldes. Als Stammburg eines der ältesten und mächtigsten Grafengeschlechter Thüringens war es vielfältig mit der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verbunden. Als die Grafen von Schwarzburg in den Reichfürstenstand erhoben wurden, wandelten sie die Burg in eines der schönsten Barockschlösser des Landes. Seine dramatische Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus hinterließ Wunden und Zerstörungen, die heute Schritt für Schritt geheilt werden. Architektur und Landschaft verbinden sich für den Besucher mit der Präsentation von Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Schlosses zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Von der Burg zum Schloss
Schloss Schwarzburg liegt auf einem langgestreckten, von der Schwarza umflossenen Schieferfelsen, der nur von seiner nordwestlichen Schmalseite aus zugänglich ist. Der Felsrücken im Schwarzatal war gut zu verteidigen und bot ideale Voraussetzungen für den Bau einer Burg. Nach ihr, der Schwarzburg, benannte sich ab 1123 das alte Adelsgeschlecht der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg. Wann genau vor dem Jahr 1123 die Burg entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Eine typische Festungsanlage
Die Schwarzburg enthielt mit Sicherheit die für Burgen typischen Gebäude und Verteidigungsanlagen, also Mauern, Gräben und Türme, Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Charakteristisch für Burgen waren hoch gelegene Eingänge und kleine Türen und Fenster, die die Verteidigung erleichterten. Die ursprüngliche Bebauung lässt sich heute nur noch in Spuren nachweisen. Sie ist im Laufe der Jahrhunderte überbaut oder in nachfolgende Gebäude einbezogen worden. Die ältesten Inventare der Burg stammen aus dem Spätmittelalter, dem 14. Und 15. Jahrhundert. Sie geben Auskunft über den Bestand an Gebäuden, jedoch nicht über ihre Lage innerhalb des Burgareals.

Ein Bestandsplan ist erst aus dem Jahr 1664 erhalten, als die Schwarzburg wegen einer befürchteten osmanischen Invasion zur Landesfestung ausgebaut werden sollte. Der Plan vermittelt die vorgesehenen Festungselemente um das Schloss, die  zum Teil auch ausgeführt wurden. Vor allem aber zeigt er die Befestigungsanlagen und Gebäude, wie sie sich seit dem Mittelalter entwickelt hatten.

Gliederung der Burganlage
Die der Form des Bergsporns angeglichene lang gestreckte Burganlage gliederte sich in drei, jeweils durch Gräben und Torhäuser geschützte Höfe. Die Gräben waren quer verlaufend in den Bergrücken eingetieft. Der erste, nach Graben, Zugbrücke und Torhaus folgende Hof hatte die Funktion eines Wirtschaftshofes. Er war zugleich Standort eines quadratischen Turmes und einer „steinernen Kemenate“, vermutlich dem Vorgänger des heutigen Zeughauses. Es folgte nach einem zweiten Graben und Torhaus die „Vorburg“, in deren Areal sich heute das später entstandene Kastellangebäude befindet. Von der Vorburg aus musste man erneut über eine zwischen zwei Toren befindliche Zugbrücke einen Graben überwinden, um in den inneren Hof, der Kernburg, mit den herrschaftlichen Wohngebäuden und der Kapelle zu gelangen. Der Hof war zu dieser Zeit von vier Seiten umbaut. Hier befanden sich neben weiteren Gebäuden auch ein Kornhaus, in dem die Abgaben der Untertanen gespeichert wurden, eine Zisterne für die Wasserversorgung und die Unterkunft der Burgverwaltung.

Nach dem Brand von 1695, dem die Bebauung an der östlichen Seite des Hofes und das Torhaus zum Opfer fielen und nicht wieder aufgebaut wurden entstand die  Zweiflügelanlage mit dem Hauptbau des Schlosses und der mit ihm verbundenen Schlosskirche.

Ausbau zum Barockschloss
Das Vorhaben, Schloss Schwarzburg zur Hauptresidenz der Linie Schwarzburg-Rudolstadt zu machen und die Erhebung der Grafen in den Reichfürstenstand im Jahre 1710 brachten starke Impulse für den barocken Ausbau der gesamten Schlossanlage. Der Hauptbau erhielt seinen auf mächtigen Säulen ruhenden Portalvorbau, der sich über alle Stockwerke erstreckt; eine in Thüringen einmalige Architektur. Die Schlosskirche mit dem aus der Gebäudeflucht vortretendem Schlossturm und der darunter befindlichen Fürstengruft vervollständigte das eindrucksvolle Ensemble. Der Wandel von der Burg zum repräsentativen Barockschloss hatte sich vollzogen.

Triumphtor – Eingangsportal vor dem Torhaus
1721 ließ Fürst Friedrich Anton dem Torhaus vorgelagert das triumphale Eingangsportal  errichten. Mit rustizierendem Mauerwerk und einer auf Fürst Friedrich Anton bezogenen Inschrift im oberen Mauerbereich symbolisierte diese hochherrschaftliche Eingangssituation das Standesbewusstsein des Fürstenhauses.

1940 mit dem Umbau zum Reichsgästehaus für Adolf Hitler wurde das Eingangsportal teilweise abgetragen, um mit größeren Baufahrzeugen die Schlossanlage befahren zu können. Beim Einsturz des östlichen Zeughausturmes im April 1947 wurden die Reste zusätzlich beschädigt. Es blieben nur rechts und links der Einfahrt stark beschädigte Seitenpfeiler stehen. Es ist geplant, das Triumphtor wieder zu errichten.
  

Das Torhaus
Das zweigeschossige Torhaus stand bis 1940 im rechten Winkel zum Zeughaus und besaß eine direkte Verbindung in dessen Erdgeschoss. Es bildete ebenfalls den Zugang zur Schlossanlage. Es diente als Wohngebäude für Schlossbedienstete und ihre Familien.

Die Wiedererrichtung des Torhauses als Zugang zum Zeughaus und für die Unterbringung von Kasse, Shop, Toiletten, Besucherbetreuung und für die Bewachungs- und Klimatisierungstechnik ist geplant.

Das fürstliche Zeughaus Schwarzburg
1550 wird das Zeughaus erstmals erwähnt. Aus dem Zeughaus Schwarzburg entwickelte sich das zentrale Waffendepot der Grafschaft Schwarzburg – Rudolstadt.

Das Zeughausgebäude zeigt die typische Mischform einer zivilen (Kornspeicher in den beiden Obergeschossen) und einer militärischen Nutzung (Waffenlager in den beiden Untergeschossen). Seine markanten  Halbschalentürme an der Nordseite  über dem alten Burggraben sind  erst um 1710 errichtet worden. Die mit je einer Haube und vergoldeten Kugelspitzen gekrönten Türme dienten dazu, dem Zeughaus an der Eingangssituation zum Schloss ein imponierendes Aussehen zu verleihen.

Das Zeughaus ist ein lang gestreckter Einzelbau, an dessen südlich gelegener Schmalseite ein Portal die notwendige Ein – und Ausfahrt der Geschütze ermöglichte. Mit der Erhebung der Grafen in den Reichsfürstenstand 1710 wurde auch die Innenarchitektur des Gebäudes verändert. Der große Raum wurde  ähnlich einer Kirche als eine dreischiffige Halle mit Holzpfeilern die durch Arkadenbögen verbunden sind und darüber umlaufender Empore gestaltet.

Die feierliche Architektur bildete mit den als Schausammlung angeordneten Rüstungen, Waffen, Fahnen und Geschützen ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Auf den Emporen wurden die kostbaren Jagdwaffen der Fürsten von Schwarzburg präsentiert. 

Als die Schwarzburg 1940 zum Reichsgästehaus der Nazis umgestaltet werden sollte, war vorgesehen, das Zeughaus im Inneren vollständig zu verändern. Die Sammlung wurde ausgelagert. Man wollte das geschichtsträchtige Bauwerk als Garage für die Fahrbereitschaft einrichten. Die kriegsbedingte Einstellung der Umbauarbeiten 1942 verhinderte die Ausführung des Plans. In den Folgejahren wurde das Zeughaus durch Wind und Wetter schwer geschädigt. In der Nacht vom 1. Zum 2. April 1947 stürzte der östliche Turm ein. Er wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut.

2009 bis 2011 erfolgte die Restaurierung. Die Zeughaussammlung soll wieder an ihren angestammten Ort zurückkehren.

Das Kastellangebäude
Ein Kastellan ist der Befehlshaber in Abwesenheit des Grafen oder Fürsten, ein Verwalter. Das Kastellangebäude bestand aus drei zweigeschossigen Flügeln: das östliche Kastellansgebäude und der nördliche und westliche Stallflügel. Es steht auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert wohnten dort Bedienstete.

In den Erdgeschossen der Stallflügel befanden sich Pferdeställe, Nebenräume, Kutscherstuben, Geschirr -und Sattelkammern sowie die Aborte. Über das erste Obergeschoss des westlichen Stallflügels erreichte man das Hauptgebäude. In den oberen Etagen der nördlichen und westlichen Stallflügel befanden sich die Wohnräume der Hofdamen und ihrer Bediensteten.

Im Zusammenhang mit den Abrissarbeiten 1940 wurde der gesamte nördliche Flügel und Teile des westlichen Flügels abgerissen. Das Kastellangebäude wird heute noch teilweise bewohnt.

Das Hauptgebäude
Sowohl die Schlosskirche als auch das Hauptgebäude zeigen eindrucksvoll, wie mit den Mitteln der Architektur der Herrschaftsanspruch des Schwarzburger Fürstenhauses artikuliert wird. Beeindruckend und einmalig in der mitteldeutschen Schlossarchitektur ist der aus Gölitzer Sandstein errichtete portikusartige Vorbau auf acht hohen Säulen mit ionischen Kapitellen, die sich je paarweise auf einem Sockel befinden. Sie tragen einen mächtigen Architrav, auf dem  ein dreiachsiger, erkerartiger Vorbau ruht, der den darüber liegenden Festsaal nach Osten erweitert.

Nach dem Brand 1695 erhielt das Schloss die architektonische Gestalt von heute. Im 20. Jahrhundert, als die Schwarzburg beliebter Sommersitz der fürstlichen Familie wurde, gestaltete man die Innenräume im Stil des Historismus und des Jugendstils.

1940/42  wurden für den nationalsozialistischen Umbau im Hauptgebäude Decken und Wände entfernt. Stuckaturen und Malereien fielen wie die Raumstruktur des Schlossgebäudes der Zerstörung zum Opfer. Eisenträger wurden eingezogen und die gesamte Statik des Gebäudes durch die massiven Eingriffe nachhaltig gefährdet.

Seit 2011 laufen umfangreiche Maßnahmen zur Bestandssicherung des Hauptgebäudes.

Die Schlosskirche
Schon aus dem 14. Jahrhundert stammen Berichte über eine Kapelle auf der Schwarzburg. Bei dem großen Brand von 1695 wurde die Kapelle so sehr beschädigt, dass sie erst nach mehrjährigen Bauarbeiten am 26.10.1713 neu geweiht werden konnte. Sie war sowohl mit dem Hauptgebäude wie auch mit dem Leutenberger Gebäude verbunden. Auch die Arbeiten am Gewölbe für das fürstliche Erbbegräbnis waren beendet. Die 1713 entstandene Schlosskirche blieb auch nach dem Brand von 1726 in der Kubatur unverändert.

Zum Innenausbau wurden Materialien der Region verwendet: Alabaster wurde bei Allendorf gewonnen, „Marmor“ wurde in Döschnitz gebrochen. 1940 wurde die Kirche abgetragen, nur der Turm blieb stehen. Die barocke Turmhaube wurde bei einem Brand in der Silvesternacht 1980 zerstört.

Das Kaisersaalgebäude
Ende des 17. Jahrhunderts werden  erstmals Bauarbeiten für ein „Lusthaus“, also Sommerhaus, erwähnt. Es handelte sich ursprünglich um eine dreiteilige Pavillongruppe mit einem aus der Gebäudeflucht vorspringenden Mittelbau. Von 1710 bis 1713 nach der Fürstung Ludwig Friedrich I. erhielt das Gebäude sein heutiges Aussehen mit dem Turmaufbau. Im Obergeschoß befindet sich der „Kaisersaal“ mit   ganzfigurigen Kaiserbildern. Er wurde als eine Demonstration des Standesbewusstseins  und der ehrwürdigen Abstammung des Geschlechts der Schwarzburger konzipiert. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Raum als Speisesaal und für festliche Anlässe genutzt.

Die untere Etage diente als Gartensalon, der östliche Flügel als Billardraum.  Der westliche Flügel wurde  aus statischen Gründen 1776 abgetragen und später durch einen eingeschossigen Anbau ersetzt, der als verglaste Veranda diente.  In den  mittleren Etagen der Seitenflügel befanden sich repräsentative Wohnräume für die fürstliche Familie und ihre Gäste.

Im 19. Jahrhundert wurden die Innenräume umgestaltet. 1941 sollte das Kaisersaalgebäude völlig abgerissen werden. Der nationalsozialistische Plan kam nach Abbruch der Umbauarbeiten zum „Reichsgästehaus“ nicht mehr zur Ausführung. 1965 bis 1971 wurde das Gebäude restauriert und als Museum eröffnet.

Der Schlossgarten vor dem Kaisersaalgebäude
Der Garten entstand ungefähr zeitgleich mit dem Kaisersaalgebäude zwischen 1697 bis 1719 als ein Gesamtensemble von Bau und Garten.  Er hat eine der Lage des Schlosses auf einem schmalen Bergsporn angepasste Größe von ca. einem halben Hektar.     

Im Jahr 2000 überarbeitete die Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten die Anlage auf der Grundlage eines Planes aus dem Jahr 1744. Die dem Barockgarten zugrunde liegende Gestaltungsidee  wurde dabei soweit wie möglich nachvollzogen. Anstelle der im Plan angegebenen Broderiemonogramme vor dem Gebäude wurde ein Orangeriestellplatz gebaut.

Im nördlichen Teil des alten Planes war eine Boskettzone eingezeichnet. Sie wurde im Schlossgarten als Baumsaal aus Feldahornbäumen gestaltet. Im Schatten des Blätterdachs befinden sich Bänke zum Verweilen. Das Rasenparterre im Zentrum des Gartens  mit einer Wasserfontäne im Mittelpunkt entspricht einer barocken Gestaltung.

2001 wurde die erneuerte Gartenanlage der Öffentlichkeit übergeben.

Das Forsthaus
Zwischen 1700 und 1826 diente dieses Gebäude als Zuchthaus. In alten Akten wird es auch als „Zucht und Tollhaus“ bezeichnet, da auch Geisteskranke hier untergebracht wurden. Die Gefangenen mussten im benachbarten „Steinhaus“ Steine für den Schlossbau behauen und bearbeiten.

1826 wurde das Zuchthaus nach Rudolstadt verlegt, da die Präsenz der Inhaftierten und Geisteskranken auf dem Schloss als störend empfunden wurde. Für  kurze Zeit befand sich das Rentamt in dem Haus. Ab 1900 war es Forstamtsgebäude.

Heute ist es zum Teil bewohnt und Sitz des Fördervereins Schloss Schwarzburg.

Die Remisen
Im hinteren Hof Richtung Forsthaus befinden sich die alten Remisen. Die erste, kleinere Remise wurde zum Abstellen von Ackerwagen genutzt. Die daneben befindlichen größeren Remisen waren für die Kutschen, später Automobile der fürstlichen Familie bestimmt. Eine der Remisen, rechts von den größeren, wurde  Wildpretremise genannt. In ihr befand sich eine kleinere Kammer, in der das erlegte Wild zerteilt, aufbewahrt und weiterverarbeitet wurde. Dort wurden auch die Trophäen bearbeitet. Im Dachgeschoss befanden sich mehrere Heuböden.

 

Quelle/Bildrechte Förderverein Schloss Schwarzburg

Führungen

Wir führen Sie durch das gesamte Schlossgelände inklusive Zeughaus und Kaisersaalgebäude. Sie erhalten interessante Informationen zur Geschichte des Schlosses und den Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt, über das aktuelle Baugeschehen und die Zukunft der Schlossanlage.

Führungen erfolgen auf Voranmeldung auch in den Wintermonaten. Anmeldungen sind telefonisch unter 036730/22263 (Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 16:00Uhr) oder per E-Mail an info@schloss-schwarzburg.de möglich. Sie können auch bequem über unser Online-Kontaktformular mit uns Kontakt aufnehmen.

Geschäftszeiten

Öffnungszeiten (Kaisersaal)
April bis September: Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr - 17:00 Uhr (Montag geschlossen)
Oktober: Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr - 16:00 Uhr (Montag geschlossen)
Letzter Einlass 15 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten!

Eintrittspreise (Kaisersaal)

Eintritt: 3,50 €
Ermäßigt (Schüler, Studenten bis 27 Jahre, Sozialpassinhaber und Schwerbeschädigte): 2,50 €
Kinder bis 14 Jahre: frei

Kartenakzeptanz: Thüringencard frei, Thüringer Waldcard ermäßigt

Unsere Kontaktdaten

Schloss Schwarzburg
Schloßstraße 5
07427  Schwarzburg

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