Geschichtsmuseum- Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V.

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Thüringen Untertage - Bunker, U-Verlagerungen, Geschichte

Über Geschichtsmuseum- Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V.:

Das Dokumentationszentrum Walpersberg wird vom Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V. betrieben. Die 2012 aktualisierte Ausstellung zeigt anhand von Bildmaterial, Schrifttafeln, Video-Displays und Hörstationen sowie verschiedenen Modellen und Ausstellungsstücken die Geschichte des ehemaligen unterirdischen Rüstungswerkes "REIMAHG".

Im ersten Raum erfahren Sie viel über die Gründe der Verlagerung, der NS-Zwangsarbeit, sowie der Bauplanung der Verlagerungsstelle mit dem Decknamen "Lachs". Außerdem erhalten Sie Informationen zur gefertigten Messeschmitt "Me 262" welche die Stollenanlagen verlassen sollte. 

Speziell um die unterirdische Geschichte des Berges geht es im zweiten Raum der Ausstellung. Dieser ist als begehbares Stollensystem gestaltet. Anhand einer umfangreichen Multimedia-Präsentation können Sie sich zur Anlage "Lachs" und zur späteren Nutzungsphase als "Komplexlager 22" informieren. 

Im Versammlungsraum des Vereins finden oftmals Sonderausstellungen statt. So konnten sich schon die Flugplatzfreunde Schwarza aus Rudolstadt, sowie die Ausstellung "Geheimnisvolles Thüringen" präsentieren.

Das Rüstungswerk REIMAHG wurde im Rahmen der Verlagerung der deutschen Rüstungsindustrie ab 1944 in den ehemaligen Porzellansandstollen im Walpersberg bei Kahla geschaffen. Ziel war die Produktion des ersten Düsenjägers der Welt, der Messerschmitt Me 262. Für dieses gigantische Bauprojekt wurden etwa 15.000 Arbeitskräfte aus ganz Europa in das Saaletal deportiert. 2000 Zwangsarbeiter überlebten die Torturen unter- sowie über Tage nicht.

Der Walpersberg ist ein 320 m hoher Sandsteintafelberg im Saaletal. Sein kaolinhaltiger Sand wurde durch die Porzellanwerke Kahla AG ab 1897 am südöstlichen Ende auf der 226 m-Sohle unter Tage abgebaut. Eine zweite Sandgrube entstand auf 215 m im südwestlichen Teil,  die Grube „Ernst Meltzer“. Beide Gruben nutzten Hohlkammerabbauverfahren. Im östlichen Sandbergwerk entstanden bis 1944 zirka 40T m2 und in der Meltzer-Grube bis 1914 zirka 23T m2 Stollenfläche,
 
Im Rahmen der Untersuchungen von Hohlräumen für die Auslagerung von Kunst- und Kulturgut zum Schutz gegen feindliche Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde die Grube der Porzellanwerke Kahla AG am 07.08.1943 als geeignet eingestuft. 

Diese Einschätzung war die Grundlage für die Beachtung im Rahmen der Verlagerungsaktion von Rüstungsproduktion unter die Erde. Mehrere Firmen bewarben sich um das Stollensystem.  Fritz Sauckel setzte sich mit der GUSTLOFF-Stiftung durch Hilfe von Reichsmarschall Hermann Göring gegen die Mitbewerber durch und ließ das Stollensystem am 22.03.1944 für den Aufbau eines Flugzeugwerkes sperren. Der Umbau zur REIMAHG begann. 

Am 11. April kamen die ersten Arbeitskräfte aus Italien und Osteuropa zur Baustelle in Kahla. Ihnen sollten Menschen vieler europäischer Nationen folgen. Bis Januar 1945 wurden es mindestens 10.296 ausländische Beschäftigte. Eine Vielzahl wurden aus dem 1943 besetzten Italien zur Arbeit nach Kahla geholt. Bis Januar wurden mindestens 3.178 Italiener, 3.113 Russen, 1.305 Slowaken, 1.044 Belgier, 892 Polen, 453 Ukrainer, 212 Franzosen und 7 Jugoslawen nach Kahla gebracht. Unter den Russen, Italienern, Polen und Ukrainern befanden sich auch Frauen, Jugendliche und Kinder. Es kam zur Deportation kompletter Familien aus diesen Ländern. Teilweise wurden weißrussiche Waisenhäuser nach „arbeitstauglichen“ Jugendlichen abgesucht. Auch fanden Deportationen von polnischen Kämpfern des Warschauer Aufstand im August 1944 nach Kahla statt.

Flugzeugwerk im Walpersberg
Am 01.03.1944 wurde der Jägerstab in Berlin gegründet, welcher die Herstellung von Jagdflugzeugen forcieren sollte, um die Lufthoheit schnellstmöglich wieder zu erlangen. Sauckel sicherte dem Jägerstab zu, innerhalb kürzester Zeit am Walpersberg monatlich 500 Flugzeuge vom Typ Fw 190 und Ta 152 herzustellen. Im Oktober 1944 wurde das Produktionsziel korrigiert. Geplant wurde von nun an mit 1.200 Flugzeugen des Typs Me 262 im Monat. Die Messerschmitt wurde als Wunderwaffe präsentiert, stellte sie doch den ersten in Serie gebauten Düsenjäger der Welt dar. 

Mit 850 km/h war sie zirka 100 km/h schneller als die alliierte Konkurrenz. 

Die Produktion des Düsenjägers Me 262 im Berg fand auf Grund der verzögerten Fertigstellung niemals statt. Lediglich in 4 provisorischen Betonbunkern an der Südseite des Berges wurden einige Maschinen aus fertigen Baugruppen montiert.  

Bis zum Kriegsende verließen 20 bis 30 Flugzeuge das Werk. Probleme waren der große Verschleiß an Triebwerken, mangelnder Treibstoff und unzureichend ausgebildete Piloten. Sauckel übernahm im März 1945 von der Gothaer Waggonfabrik die Vorserienmontage des Horten XVIII Nurflüglers - eine weitere unlösbare Aufgabe.

 

Quelle: GF Walpersberg e.V.

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