Der Dohlenpfad

Eine Schnitzeljagd durch Neustadt an der Orla

Über Der Dohlenpfad:


1.| Markt und Marktbrunnen

Der Stadtrundgang entlang des "Dohlenpfades "beginnt auf dem Neustädter Markt, der durch seine Größe und Gestalt das Stadtbild prägt. Das schönste Bauwerk am Markt ist das spätgotische Rathaus mit reichen Steinmetzarbeiten am Erker und an der Freitreppe. Ab 1464 vereinigte man zwei Gebäude, den östlichen, etwas höheren Bau (bis dahin schon als Rathaus genutzt) und den westlich davon gelegenen Teil (die so genannte Rathauskapelle) zu dem prachtvollen Gebäude, wie es heute noch zu sehen ist. Beachtenswert sind die Tür- und Fenstergewände sowie die kunstvoll gearbeiteten Giebel der Ost- und Südseite. Rechts neben der Freitreppe hängt über einer Spitzbogentür die steinerne Kröte, auf einem Brotlaib sitzend. Diesen sagenumwobenen Stein mussten Beschuldigte um den Hals tragen, wenn sie zum Prangerstehen verurteilt wurden. Hinter diesem Eingangstor befindet sich im ehemaligen Durchgang von der Straße zum Markt eine Ratswaage von 1597.
Der Marktbrunnen ist eine Schöpfung der Neuzeit, entstanden aus Anlass der 700-Jahrfeier Neustadts 1987. Das Achteck der Brunnenschale ist mit den Zunftzeichen der Handwerker versehen, die seit dem Mittelalter hier ansässig waren. Der Brunnenschaft zeigt das Stadtwappen mit drei Türmen, auf dem statt des Adlers die Dohle sitzt, eine scherzhafte Anspielung auf den "Duhlendorfer Karneval".

2.| Kursächsisches Palais

Dem Brunnen gegenüber auf der Nordseite des Marktes steht die Sparkasse. Dieses Haus ließ August der Starke 1733 durch den Neustädter Apotheker Prätorius errichten. In diesem "Kursächsischen Palais" sollte Überlieferungen zufolge nach dem Willen des Kurfürsten die Gräfin Cosel, Mätresse des Königs, wohnen. 

3.| Rodaer Straße 7 und Postdistanzsäule

Dieses Bürgerhaus mit alter Bausubstanz hat eine Fassadengestaltung aus dem 19.Jahrhundert, auf dem der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen dargestellt ist.
Ein Zeugnis aus der Zeit August des Starken ist die an der Ostseite des Marktes stehende Kursächsische Postdistanzsäule. Solche Distanzsäulen mussten auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten vor den Stadttoren größerer Städte des Kurfürstentums aufgestellt werden. Auf dem Säulenschaft sind Städtenamen und deren Entfernungen eingehauen, die durch die Postlinien berührt wurden. Den oberen Teil ziert das Doppelwappen Kursachsens und Polens, darunter die Initialen "AR" für " Augustus Rex". Eine zweite Distanzsäule steht noch heute am westlichen Eingang zu Innenstadt.

4.| Marktstock

Der sich östlich neben dem Rathaus anschließende Gebäudekomplex, wird als Marktstock bezeichnet. Er vereinigte 11 Häuser um einen Innenhof, welche 1879 nieder brannten. Der Folgebau bestand aus 6 Gebäuden um einen Innenhof. In den Jahren 1996 und 1997 riss man die alten Gebäude ab und gestaltete den Komplex neu. 

5.| Lutherhaus

Eines der schönsten Bürgerhäuser am Markt ist das so genannte Lutherhaus. Darin soll Martin Luther bei seinen Aufenthalten in Neustadt gewohnt haben, als er das hiesige Augustiner-Eremitenkloster besuchte. Aber dies ist alles nur Legende.
Mit seinem steilen Dach und dem schön gestalteten Erker beherrscht das Gebäude die Ostseite des Marktes. Im Inneren finden sich neben mehreren Bohlenstuben auch spätmittelalterliche Wandmalereien und architektonische Zeugnisse jener Zeit. Mehrere Bauphasen hat das vor 1450 errichtete Bauwerk erlebt und beherbergt nun als begehbares Schaudenkmal eine Ausstellung zur Stadt-, Reformations- und Hausgeschichte. 

6.| Rodaer Straße 2

In einer Rokoko-Kartusche an der Südwand des Hauses liest man die Initialen "IDH". Diese verweisen auf den Erbauer Johann Daniel Hebenstreit, der ehemalige Gastwirt des Weißen Schwan, die älteste Straßenwirtschaft der Stadt, die einst schräg gegenüber stand. Das Gebäude selbst ist um 1780 erbaut worden. Wohl ab 1815 ist dort für mehr als 100 Jahre eine Apotheke zu finden, die 1833 als "Apotheke auf Grund Fürstlicher Privilegien" nachzuweisen ist.

7.| und 8.| Klosterkirche und Schloss

Die Klosterkirche ist der einzige erhaltene Rest des im 30jährigen Krieg zerstörten Augustiner-Eremitenklosters, welches 1294 gegründet wurde. Die das Kirchenschiff trennende Tordurchfahrt wurde mit dem Bau eines Schlosses der Herzöge von Sachsen-Zeitz im südlichen Teil des Geländes 1674 angelegt. Nach mehreren Umnutzungen im Laufe der Jahrhunderte beherbergt das Schloss heute eine moderne Ganztagsschule. Ein Teil der Klosterkirche ist heute städtischer Festsaal. Neben der Klosterkirche beginnt der Stadtpark. Den Zugang ziert der Herkulesbrunnen.

9.| Gamsenteich

Der Gamsenteich war im Mittelalter ein wichtiges Wasserreservoir für die Stadt. Das Wasser wurde außer zu Feuerlöschzwecken und der Flutung der Stadtgräben auch in die offenen Straßenkanäle geleitet, um diese zu reinigen. Die heutige naturnahe Ufergestaltung erfolgte 2001. 

10.| Stadtturm oder Eiskellerturm

Der Stadt- oder Eiskellerturm ist einstiger Bestandteil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Sanierung des Turmrests erfolgte im Jahre 2003. Die Grundfläche des Turmes beträgt 31m² und wird heute als Wohnraum genutzt. 

11.| Pößnecker Straße 1 und Stelen

Vor dem Gebäude befand sich viele Jahrhunderte der westliche Zugang zur Stadt, das "Neunhofner Tor". Es war ein wichtiger wirtschaftlicher und strategischer Punkt für die Stadt über Jahrhunderte hinweg. Die drei "Stelen" aus Stahl, Holz und Kupfer, die wichtigsten mittelalterlichen Baustoffe, am Straßenrand vor dem Gebäude sollen an das historische Stadttor erinnern. 

12.| Stadtkirche St. Johannis

Ein Besuch der Johanniskirche ist in jedem Fall zu empfehlen. Das jetzige Bauwerk ist bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle und wurde zwischen 1471 und 1528 errichtet. Der Chorraum ist mit einem Flügelaltar aus der Werkstatt Lucas Cranach dem Älteren ausgestattet. Er wurde 1513 hier aufgestellt und ist heute der einzige Cranach-Altar, der sich noch am ursprünglichen Standort befindet. Im Kirchturm hängen drei Glocken.
Unter diesen, die zweitgrößte Glocke Thüringens. Sie wiegt 3,3t. Ihr unterer Durchmesser beträgt 178 cm.
Gegossen wurde die Glocke 1479 auf dem Neustädter Marktplatz, an der Stelle, an der ein im Pflaster abgesetzter Stern zu sehen ist.

13.| Goldener Löwe

Der Gasthof "Goldener Löwe" gehört zu den ältesten Gasthöfen der Stadt. Mancher Reisende mag nach beschwerlicher Postkutschenfahrt in dem gastlichen Haus, mit dem ruhenden Löwen über dem Portal, abgestiegen sein. Seine erste Erwähnung erfährt das Gasthaus 1599. Immer als solches genutzt, hatte es 1815 bereits 22 Zimmer und einen Saal. Es galt als erstes Haus am Platz und beherbergte neben Johann Wolfgang von Goethe auch die Kaiserin von Russland, Maria Fjodorowna und die russische Großfürstin Alexandra.

14.| Kirchplatz 4

Das Haus wurde vom zweiten Geistlichen der Stadtkirche, dem Archidiakon, bewohnt. Die älteste Bausubstanz ist wahrscheinlich aus dem 15./16. Jahrhundert. Im Jahr 2005 wurde das Gebäude saniert und wird nunmehr als Schulhort genutzt. 

15.| Museum Kirchplatz 7

Das Museum für Stadtgeschichte befindet sich in einem geschichtsträchtigem Bürgerhaus am Kirchplatz. In einer umfangreichen Baumaßnahme wurde in den Jahren 1995 bis 1997 das Gebäude Kirchplatz 7 grundhaft saniert. In diesem alten Bürgerhaus befand sich von 1709 bis 1958 eine Buchdruckerei. Nach der Sanierung wurden im Hintergebäude das städtische Archiv und im Vorderhaus das Museum für Stadtgeschichte eingerichtet. Bei der Fassadengestaltung orientierte man sich dabei im Wesentlichen an den Vorgängerbau.

Das Museum bietet dem Besucher in 13 thematisch gestalteten Ausstellungsräumen umfangreiche Informationen zur Stadtgeschichte, besonders zur örtlichen Buchdruckerei, zur Neustädter Karussellherstellung und zu traditionellen Gerberhandwerk. 2012 ist im Museum ein Cranachzimmer eröffnet worden. In diesem Raum steht eine Replik des Cranach-Altars der Stadtkirche St. Johannis im Mittelpunkt und macht diesen für die Besucher erleb- und begreifbar.

Ein Querschnitt über das Schaffen der Künstlergruppe "Die Arnshaugker" mit den Malern Heinrich Kiefer, Karl Herrmann und Heinrich R. Ulbricht wird ebenso vermittelt, wie eine Thüringer Landkartensammlung des 17. bis 19. Jahrhunderts für ein geografisch interessiertes Publikum. Aus dem gleichen Zeitraum werden Kupferstiche, Stahlstiche und Lithografien von Thüringer Ortsansichten gezeigt. Daneben sind Exponate von drei Zinngießern des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen, die durch ihren Formenreichtum im Orlagebiet bekannt waren.

Im Saal des Museums für Stadtgeschichte werden in regelmäßigen Abständen Sonderausstellungen durchgeführt.
Die Neustädter Natur- und Heimatfreunden e.V., die das Museum betreuen, und die Stadtverwaltung Neustadt (Orla) freuen sich auf Ihren Besuch.

16.| Fleischbänke

Vom Kirchplatz gelangt man durch die historischen Fleischbänke zurück zum Marktplatz. Die "Fleischbänke" sind eine mittelalterliche Ladenstraße der Neustädter Fleischer. Von den ehemals 17 Verkaufslauben, die beiderseits angeordnet waren, sind noch 9 erhalten.

Der kulturhistorisch wertvolle Gassenbereich aus dem Jahre 1475 ist in Europa einmalig und wurde im Jahre 2002 grundhaft saniert.

Die Anlage wurde zu dem Zweck geschaffen, dass die Fleischer nur hier und unter Aufsicht eines vom Stadtrat beauftragten Fleischaufsehers ihre Produkte verkaufen durften. Heute werden die Verkaufslauben zum Stadtfest und Adventsmarkt für Händler und Handwerker geöffnet.

17.| Markt 2 - ehemaliger Ratskeller

Im heutigen Bauamt der Stadt befand sich früher der Ratskeller. Er wurde 1530 erbaut. 

18.| Stadtteil Arnshaugk mit Burgkapelle

Der Neustädter Stadtteil Arnshaugk, dessen Ortskern mit seinen kleinen Häusern, der Kapelle, dem Schloss und der, nur noch an Gebäuderesten erkennbaren Burganlage steht unter Ensembleschutz. Von den ursprünglichen Verwaltungsgebäuden der Burg ist heute nur noch das so genannte Forstbeamtenhaus erhalten geblieben. Im Mittelpunkt des Ortsensembles befindet sich die Burgkapelle Arnshaugk, die 1294 von Landgraf Albrecht und seiner Gattin Elisabeth der Älteren von Arnshaugk gestiftet und dann dem Augustiner-Eremitenkloster in Neustadt geschenkt wurde. Heute wird die Kapelle für kulturelle Zwecke wie Konzerte und Ausstellungen genutzt.

19.| Bismarckturm

Schon von der Ferne erkennt man das weit über die Wipfel der Bäume hinausragende 32,65 m hohe Bauwerk. Als Standort des 1913/15 erbauten Turmes hatte man sich für den 425 m über dem Meeresspiegel liegenden Kesselberg auf dem nördlichen Höhenzug des Orlatales entschieden. Das Bauwerk erinnert durch seine massive Gestaltung an Wehrtürme vergangener Zeiten.
Die in unterschiedlicher Höhe an den Seiten angebrachten Balkone und der abschließende Rundgang, mit Zinnen versehen, sind in Ostthüringen an keinem anderen Bauwerk dieser Art vorhanden. Ein architektonisches Meisterwerk ist im Inneren des Turmes die freitragende Wendeltreppe mit ihren insgesamt 144 Stufen.

Unmittelbar am Turm führt ein mittelalterlicher Höhenweg, die Hohe Straße, vorüber. Ein Besuch des Turmes und der waldreichen Umgebung ist lohnenswert.

Bei Regenwetter oder Schneetreiben bleibt der Turm geschlossen. Bei aufgezogener Fahne ist der Turm besetzt.

 

Eine Schnitzeljagd durch Neustadt an der Orla: schnitzeljagd_durch_neustadt_orla.pdf

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